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Workshop D: Nahostkonflikt und Judenfeindschaft unter muslimisch geprägten Jugendlichen
Neben der Arbeit der BildungsBausteine gegen Antisemitismus zu diesem Themenfeld standen die Erfahrungen einer unserer PartnerInnen im Zentrum des Workshops, der von Tanja Kinzel und Anke Heiser (BildungsBausteine gegen Antisemitismus) geleitet wurde.
Pädagogische Ansätze der KIGA
Aycan Demirel, der Leiter der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, stellte entlang von Fragen, welche die beiden Workshop-LeiterInnen an ihn richteten, Ansätze und Erfahrungen der KIGA vor: Die Initative reagiert mit ihrer Arbeit auf den Umstand, dass Jugendliche mit muslimisch geprägtem Migrationshintergrund bei der Herausbildung antisemitischer Einstellungen nicht nur von Antisemitismen der deutschen Mehrheitsgesellschaft geprägt werden, die bspw. im schulischen Alltag vermittelt werden. Auch antisemitische Denkweisen und Stereotypen, die in ihren Herkunftsländern verbreitet sind, haben Einfluss auf die Jugendlichen. Solche Bilder und Deutungen, die über Internet, Musik und Satelliten-TV verbreitet werden, fließen auch in die Deutung des Nahostkonflikts ein, auf den sich manche Jugendliche seit der zweiten Intifada und dem 11. September verstärkt beziehen. Unter anderem als Abwehrreaktion auf hier erlebten Rassismus und Ausgrenzungserfahrungen identifizieren sie sich mit starken, "widerständigen" Vorbildern, was bis zur Verherrlichung von Selbstmordattentaten gehen kann. Bei der Verbreitung antisemitischer Propaganda spielen in Deutschland aktive islamistische Organisationen eine Rolle, aber auch ein wachsender "Orient-Nationalismus", der eine Re-Islamisierung auch im linksliberalen Milieu nach sich zieht. Dabei verbinden sich teils auch antiimperialistische und antikapitalistische Einstellungen.
Die KIGA setzt demgegenüber auf drei Ebenen an: der Informationsvermittlung und Aufklärung, dem Perspektivwechsel (zur Förderung von Empathie und Verständnis sowie dem Nachvollziehbar-Machen von Interessen) sowie dem Empowerment und gleichzeitig dem Versuch, den Jugendlichen das Entwerfen einer eigenen Perspektive zu ermöglichen. Über die Thematisierung z.B. von Liebe und Sexualität in ihrem kulturellen Kontext soll dadurch u.a. verdeutlicht werden, was persönlichen und kollektiven Identitäten sein können und welche Spielräume es im eigenen Leben gibt, sich kollektiven Identitäten nicht unterwerfen zu müssen. So hat die KIGA ein Planspiel zur Gründung Israels entwickelt, das einerseits durch die Thematisierung der Entstehungsbedingungen des Staates Verständnis auch für die aktuelle Situation fördert und gleichzeitig den Anlass für Diskussionen zu strittigen Fragen wie bspw. einem Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge bietet. Eine andere Methode, die die KIGA in der Arbeit mit Jugendlichen einsetzt, ist ein Rollenspiel zu einer jüdisch-palästinensische Freundschaft im Kontext des Libanonkrieges, mit dem verschiedene Positionen sichtbar gemacht und Empathie gefördert werden können.
Das Nahostquiz der "BildungsBausteine gegen Antisemitismus"
Im zweiten Teil des Workshops erprobten Tanja Kinzel und Anke Heiser mit den Workshop-TeilnehmerInnen die Methode "Nahostquiz": Die eine Hälfte der Teilnehmenden erhält Bilder mit Jahreszahlen, die andere Hälfte Ereignisse ausgeteilt. Ihre Aufgabe ist es, sich in passenden Gruppen (richtige Jahreszahl bzw. Bild zum richtigen Ereignis) zusammenfinden. Dann erhalten die so gebildeten Paare oder Kleingruppen Zeit, um ihr Bild zu analysieren und in Zusammenhang mit dem dazugehörigen Ereignis zu diskutieren. Die Ereignisse werden schließlich chronologisch der Gesamtgruppe vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Aus Zeitgründen konnte die Methode nur angerissen werden. Anschließend wurde eine weitere Variante des Quiz? vorgestellt, die sich für den Einsatz bei Jugendlichen eignet. In der abschließenden Diskussion ging es um Fragen der Umsetzbarkeit dieser Methode sowie weitere Möglichkeiten, zum Thema Nahostkonflikt mit Jugendlichen zu arbeiten.
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