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Fachtagung am 12.12.2006 in Berlin

Unsere Fachtagung "Viel gehört und nichts gelernt?! Zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus im schulischen Kontext" in der Jerusalems-Kirche stellte den Abschluss unseres Projekts "Aktiv Demokatie leben - ohne Antisemitismus" dar, in dessen Rahmen wir über acht Monate hinweg mit drei Gesamtschulen in Berlin (Ost & West) und Brandenburg zusammengearbeitet haben. Gemeinsam mit anderen PraktikerInnen aus der schulischen und außerschulischen politischen (Jugend-)Bildung wollten wir sowohl praxistheoretische als auch pädagogische Fragen diskutieren, die uns bei der Konzeption und Umsetzung des Projekts beschäftigt haben. Im Zentrum stand dabei demzufolge die Arbeit gegen Antisemitismus im Kontext von Schulen; die Inhalte und Fragestellungen sind jedoch auch auf die außerschulische politische Bildung übertragbar.

Nach der Begrüßung und einer Kurzpräsentation des Schulprojekts diskutierten auf einer Podiumsdiskussion vier ExpertInnen aus der Bildungs-, Beratungs- und Projektarbeit über den Einfluss der Herkunft auf antisemitische Einstellungen bei Jugendlichen sowie mögliche Implikationen für die pädagogische und politische Praxis. In vier Workshops wurden anschließend einige zentrale Aspekte des Themas diskutiert, neue Methoden vorgestellt und Erfahrungen aus Schule, außerschulischer Bildung und Jugendarbeit ausgetauscht:

  • In Workshop A mit dem Titel "Antisemitismus - ein spannendes Thema für Jugendliche?" wurde gemeinsam nach geeigneten Zugängen zum Thema sowie nach Ansätzen gesucht, die interessierte Jugendliche für ein Engagement gegen Antisemitismus motivieren Renate Pulz stellte mit dem "Mittelalter-Zeitstrahl" der "BildungsBausteine gegen Antisemitismus" eine Methode vor, die auch für die Arbeit mit jüngeren, bildungsfernen SchülerInnen geeignet ist. Zaklina Mamutovic und Isabel Enzenbach vom Projekt "Fit machen für Demokratie" des LISUM Berlin präsentierten Erfahrungen aus ihrem "Youth Leadership Training".
  • Workshop B beschäftigte sich unter dem Motto "Schule und außerschulische Jugendbildung - gemeinsam gegen Antisemitismus" mit Ansätzen eines kontinuierlichen Engagements an Schulen. Tatjana Glampke und Nancy Wagenknecht von den "BildungsBausteinen" diskutierten mit Chana Steinwurz, Kai Jahns und zwei FSJlerInnen aus Pankow sowie natürlich den Workshop-Teilnehmenden, wie schulische und außerschulischer Aktivitäten gut ineinander greifen können.
  • In Workshop C ging es um "Antisemitismus und deutsche Vergangenheit", insbesondere um den aktuellen Stellenwert von sekundärem Antisemitismus sowie den pädagogischen Umgang mit dem NS. Wolf van Vugt (BildungsBausteine gegen Antisemitismus) stellt die Methode "Antisemitische Erscheinungsformen" vor, mit der die Vielschichtigkeit des sekundäreren Antisemitismus verdeutlicht werden kann. Heike Radvan von der Amadeu Antonio Stiftung) berichtet von den Erfahrungen mit "Stolperstein"-Projekten in Ostdeutschland.
  • Workshop D zu "Nahostkonflikt und Judenfeindschaft unter muslimisch geprägten Jugendlichen" fragte nach dem Zusammenhang zwischen antisemitischen Einstellungen und dem Nahostkonflikt sowie nach Möglichkeiten, spezifische Antisemitismen von Jugendlichen mit (türkisch-arabischem) Migrationshintergrund zu bearbeiten. Aycan Demirel stellte hierzu Ansätze und Erfahrungen der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus vor, und Tanja Kinzel (BildungsBausteine gegen Antisemitismus) hinterfragte mit den Teilnehmenden die Anwendbarkeit der Methode "Nahostquiz" mit migrantischen Jugendlichen.

Den Abschluss des Tages bildete ein Tagungskommentar von Astrid Messerschmidt von der Technischen Universität Darmstadt, die für uns die Tagung kritisch begleitet hatte und ihre Eindrücke in einem kurzen Statement zusammenfasste. So zog sich ihrer Beobachtung nach in den Diskussionen eine Konkurrenz zwischen Antisemitismus und Rassismus durch, obwohl es doch vielmehr darum gehe, beides anzugehen und die unterschiedlichen Strukturen aufzuzeigen, statt eine Hierarchisierung beider Phänomene zu betreiben. Und sie gab den OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen einige Gedanken für die zukünftige Arbeit mit, beispielsweise die Frage, ob es nicht vielleicht interessanter sei, sich im Hinblick auf den Umgang mit geschichtlichem und aktuellem Antisemitismus mit generationellen statt mit herkunftsbezogenen Differenzen zu beschäftigen.

Obwohl wir den Tagungstermin aus projektorganisatorischen Gründen ans Jahresende legen mussten, an dem erfahrungsgemäß viele Veranstaltungen stattfinden und gleichzeitig viele KollegInnen mit dem Abschluss eigener Projekte beschäftigt sind, nahmen zu unserer Freude etwa 70 Personen an der Fachtagung teil. Die Resonanz der TeilnehmerInnen war fast durchweg sehr positiv. Die Tagung bot den PraktikerInnen aus der Bildungs- und Projektarbeit Raum für einen Erfahrungsaustausch, der das Kennen lernen von unterschiedlichen Positionen, Ansätzen und Erfahrungen sowie eine gemeinsame und individuelle (Selbst-) Reflexion der eigenen Praxis ermöglichte. Insbesondere in den Workshops gab es angeregte Diskussionen, in die vielfältige Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen (Schule, außerschulische Bildung, Jugendarbeit etc.) eingebracht wurden. Diese Diskussionen werden Impulse für die Entwicklung neuer Konzepte, Methoden und Projekte für uns und hoffentlich auch unsere Gäste liefern!


Wir danken dem Bundesministerium für Frauen, Senioren, Familie und Jugend sowie der Rosa Luxemburg Stiftung für die Förderung der Tagung. Ein herzliches Dankeschön geht auch an die Jerusalemskirche - Forum für interreligiöse Begegnung sowie die kiezküchen gGmbH, an die ReferentInnen und natürlich an alle Gäste, die trotz des ungünstigen Termins unserer Einladung gefolgt sind!

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