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Workshop 4: Antisemitismus - Religion - Migration

Auch Workshop 4 mit dem Titel "Antisemitismus - Religion - Migration. Judenfeindschaft in Christentum und Islam" war zeitlich, inhaltlich und personell in zwei Themenblöcke gegliedert: Der erste Teil vor der Mittagspause behandelte das Verhältnis von Judentum und Christentum, der zweite Teil nach der Mittagspause wandte sich dann dem Thema Antisemitismus und Islam zu. Es nahmen 19 Personen daran teil, die zumeist in Organisationen der politischen Bildung und nicht an Schulen tätig sind.

Methodenerprobung: "Synagoga und Ecclesia"

Der Workshop, der von Paul Stefanowske und Tatjana Glampke von den "BildungsBausteine gegen Antisemitismus" geleitet wurde, begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde der ReferentInnen und der Teilnehmenden. Nach einem kurzen Input zum Verhältnis von Christentum und Judentum sollten die Teilnehmenden dieses Verhältnis als Statuen der Ecclesia und der Synagoga darstellen und nachfühlen. Dabei handelt es sich um christliche Motive aus dem Mittelalter, mit denen die Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Judentum manifestiert werden soll. Die erhabene Figur der Ecclesia symbolisiert die katholische Kirche, die gebeugte Synagoga dagegen das Judentum. Bis heute finden sich diese Darstellungen in vielen deutschen Kirchen, inzwischen an manchen Orten mit einer kritischen Kommentierung. » ausführlichere Beschreibung der Übung

Bisher hatten wir die Übung in ihrer ausführlichen Form, also mit Basteln und Verkleiden, nur mit Jugendlichen durchgeführt. Es war schön zu beobachten, dass den Erwachsenen diese kreative Übung genauso viel Spaß bereitete wie den Jugendlichen. Entsprechend wurden sehr detailgetreue und zugleich phantasievolle Statuen gestaltet. Im Anschluss an die Übung zeigten wir weitere Bilder von Synagoga und Ecclesia, an denen sich das zunehmend diskriminierende Verhältnis des Christentum gegenüber dem Judentum ablesen lässt. Den meisten der Teilnehmenden waren diese Figuren nicht bekannt, und es wurde mit Interesse aufgenommen, dass sich diese Figuren als Mosaik auch in einer erst 1913 erbauten Kirche in Prenzlauer Berg befinden. Die Übung wurde durch weitere Beispiele ergänzt, die für den christlichen Machtanspruch gegenüber dem Judentum sowie die damit einhergehende Verunglimpfung, Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zur Tötung von Juden im Mittelalter stehen. Die meisten Teilnehmenden kannten einige christlich-antijüdische Unterstellungen, die wenigstens jedoch in ihrer ganzen Bandbreite.

Judentum, Islam und Antisemitismus

Nach der Mittagspause hielt der Religionslehrer Martin Wein von der Elisabeth-Oberschule in Berlin-Charlottenburg ein Inputreferat zum Verhältnis von Judentum und Islam. Er stellte heraus, dass im Koran nach seiner Kenntnis keine Judenfeindlichkeit angelegt sei. In seinem Referat bezeichnete er die Feindschaft gegen Juden bei Menschen mit muslimischen Glauben als "islamischen Antijudaismus". Dieser Begriff wurde von einigen Teilnehmenden kritisiert, da sich in der heutigen Ausformung der Judenfeindschaft bei Muslimen auch sehr viele Elemente des modernen Antisemitismus wiederfänden. Sie plädierten dafür, eben diesen Begriff auch bei MuslimInnen zu verwenden. Spannend war jedoch auch die Argumentation des Referenten, warum er gegenüber seinen Schülern und Schülerinnen lieber den Begriff des islamischen Antijudaismus benutzt: Seine SchülerInnen würden bei dem Begriff Antisemitismus abblocken, da viele von ihnen -- trotz manchmal heftiger antisemitischer Äußerungen -- nicht mit Antisemitmus in Verbindung gebracht werden wollen. Unter Vermeidung dieses Begriffs sei eine Diskussion mit ihnen leichter möglich. Daran anknüpfend entwickelte sich eine Diskussion darüber, ob denn der heutige Antisemitismus bei MigrantInnen überhaupt auf den Islam rückführbar sei. Besonders eine Teilnehmerin plädierte stark dafür, den Islamismus mit seinem starken Antisemitismus als eine politische und nicht als religiöse Strömung zu sehen, der sich geschickt des Islam bediene, um seinen politischen Machtanspruch durchzusetzen. Viele Teilnehmenden fanden diese Sichtweise bedenkenswert. Aus diesem Grund so wurde ihre These als (mögliche) Antwort auf die Frage nach der Rolle, die ein religiös motivierter Antisemitismus in unserer Einwanderungsgesellschaft spielt, für den nachmittäglichen Fishbowl festgehalten. Die zweite Leitfrage dieses Workshops, ob Religion als Zugang zum Thema Antisemitismus mit Jugendlichen funktioniert, wurde mehrheitlich bejaht. Das Thema Religion eignet sich umso besser als Ansatzpunkt, wenn die Jugendlichen eine Nähe zu Religion haben. Insgesamt war es ein spannender Workshop, in dem kontrovers diskutiert wurde.

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