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Fachtagung am 26.08.2005 in Berlin

Zum Abschluss unserer Projektförderung durch das Bundesprogramm entimon haben wir am 26.08.2005 unsere Arbeitsergebnisse auf der Fachtagung "BildungsBausteine gegen Antisemitismus - Erfahrungen - Ergebnisse - Perspektiven" in Berlin der interessierten Öffentlichkeit vor- und zur Diskussion gestellt. Etwa 100 PädagogInnen und andere MultiplikatorInnen sind unserer Einladung in die Werkstatt der Kulturen gefolgt. In Workshops erprobten sie ausgewählte Methoden der "BildungsBausteine gegen Antisemitismus", lernten Erfahrungen von uns und von anderen PraktikerInnen kennen und debattierten über Fragen, die ihnen auf den Nägeln brannten. Gemeinsam versuchten wir, eine Bilanz der Pädagogik gegen Antisemitismus zu ziehen sowie Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Als Auftakt der Tagung zeigten wir als thematischen Einstieg den Kurzdokumentarfilm "Leben und leben lassen" von Sharon Brauner, den die Schauspielerin und Sängerin 2002 für die Jüdischen Kulturtage gedreht hat. Sharon Brauner stellt in dem Film ganz unterschiedlichen Berlinerinnen und Berlinern die gleichen Fragen: Was magst du an Berlin, was nicht? Woran glaubst du? Was wünschst du dir? Was ist dein Lebensmotto? Und, ganz unvermittelt: Was fällt dir zum Thema Juden ein? Auf diese Frage gibt es die unterschiedlichsten Reaktionen und Antworten - und es wird deutlich, dass einige der Befragten jüdisch sind, andere wiederum nicht. Wir verwenden diesen Film in vielen unserer Seminare, um Selbst- und Fremdbilder von Jüdinnen und Juden herauszuarbeiten und um die Bandbreite antisemitischer (und philosemitischer) Stereotype aufzufächern.

Diese Passage aus dem Einstiegsfilm griffen Kirsten Döhring und Tanja Kinzel bei der darauf folgenden Projektpräsentation auf, in der sie nicht nur Ziele, Inhalte und Methoden des Projekts zusammenfassten, sondern auch Schlaglichter aus unserer dreijährigen Projekterfahrung vorstellten.

Im Anschluss daran teilten sich die TeilnehmerInnen in vier Workshops auf:

  • Im ersten Workshop zum Thema "Identitäten - Zugehörigkeiten - Selbst-/Fremdbilder. Auseinandersetzung mit Lebensgeschichten und -welten" stellte Horst Peter Gerlich die Übung "Lebenskurve" aus dem Methodenfundus der "BildungsBausteine" gegen Antisemitismus" vor, eine biografisch-thematische Annäherung an die Themen Judentum und Antisemitismus. Marina Czernivsky von der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland berichtete von einem Projekt mit jüdischen StudentInnen, die Schulklassen und Jugendgruppen in Berlin und Brandenburg besuchen.

  • Workshop 2 beschäftigte sich mit dem Thema "Beschimpfungen - Bedrohungen - Übergriffe. Aktiv gegen den alltäglichen Antisemitismus". Wolf van Vugt führte mit den Teilnehmenden die Perspektivwechselübung "Ein deutscher Jude gibt auf" durch, die einen antisemitischen Vorfall in Berlin thematisiert. Heike Radvan (Amadeu Antonio Stiftung) präsentierte verschiedene Aktivitäten, Initiativen und Projekte, die in ihrem Umfeld aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus entgegentreten.

  • Im dritten Workshop mit dem Titel "Antisemitismus - Moderne - Kapitalismus. Gesellschaftsstrukturen und antisemitische Stereotype" leitete Tanja Kinzel die Methode "Antisemitische Postkarten" an, eine Bildanalyse antisemitischer Darstellungen auf Postkarten der Jahrhundertwende. Julika Bürgin vom Projekt "Nicht-rassistisches Mainstreaming in der politischen Bildung" des DGB-Bildungswerks Thüringen stellte Ansätze aus der gewerkschaftlichen Bildung vor und bezog dabei aktuelle Diskussionen über Kapitalismuskritik und Antisemitismus ein.

  • In Workshop 4 zu "Antisemitismus - Religion - Migration. Judenfeindschaft in Christentum und Islam" erprobte Paul Stefanowske mit den Teilnehmenden das Statuentheater "Synagoga und Ecclesia", in dem christlicher Antijudaismus anschaulich gemacht wird. Martin Wein, Religionslehrer an der Elisabeth-Oberschule in Berlin-Charlottenburg, referierte über seine Erfahrungen in multikulturellen Schulklassen, mit denen er auch das Thema Antisemitismus behandelt.

Zum Abschluss der Tagung trafen alle Teilnehmenden zu einer Fishbowl-Diskussion zusammen, um die unterschiedlichen Diskussionsfäden des Tages wieder zusammenzuführen. Workshop-TeilnehmerInnen berichteten von den Diskussionen in den Arbeitsgruppen, ExpertInnen aus dem Kreis unserer Kooperationspartner steuerten ihre Erfahrungen aus der Gedenkstätten- und Museumspädagogik sowie der Bildungsarbeit mit migrantischen Jugendlichen bei, und die Filmemacherin Sharon Brauner brachte mit ganz "unpädagogischen" Fragen frischen Wind in die abendliche Diskussionsrunde.Alles in allem handelte es sich um einen gelungenen Tag mit vielen interessanten Diskussionen und Anregungen für den (Arbeits-) Alltag, auch wenn leider die Zeit bei weitem nicht ausreichte, um alle Aspekte des Themas ausführlich zu debattieren. Und auch die Behandlung der Frage nach den Perspektiven der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus kam leider zu kurz - mehr dazu auf der nächsten Tagung?!

Wir danken dem Bundesjugendministerium, dem Berliner Integrationsbeauftragten sowie der Rosa Luxemburg Stiftung für die finanzielle Unterstützung. Herzlichen Dank auch an die Werkstatt der Kulturen, an die ReferentInnen und natürlich an alle Gäste!

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