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Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen unsere Publikation "Woher kommt Judenhass?"

Mit unserer Publikation, die 2007 im Verlag an der Ruhr erschienen ist, stellen wir interessierten PädagogInnen Konzepte, Methoden und Materialien für die schulische und außerschulische politische Bildung gegen Antisemitismus zur Verfügung. Wir möchten damit engagierte LehrerInnen und Fachkräfte der außerschulischen Bildung darin unterstützen, auf vielfältige Art und Weise gegen antisemitische Stereotype und Welterklärungen anzugehen.
Unsere Methodensammlung ist in Artikeln und Diskussions- beiträgen auf dem Internetportal haGalil heftig kritisiert worden. Im Folgenden werden wir auf die wesentlichen inhaltlichen Kritikpunkte reagieren. Die Anleitung zur Methode "Die Matthäus-Passion", welche für eine Auseinandersetzung mit christlichem Antijudaismus anhand des gleichnamigen Werkes von Bach eingesetzt werden kann, enthält einen schwerwiegenden Fehler: Die zu Recht kritisierte Textpassage kann leider leicht so gelesen werden, dass sie den uralten antijüdischen Vorwurf des Christusmordes bestätigt, statt ihn - wie es selbstverständlich unsere Absicht war - zu dekonstruieren. Dieser Sinn entstellende Fehler wird vom AutorInnenteam und dem Verlag korrigiert. Die überarbeitete Methode werden wir in Kürze veröffentlichen.
Bei der Methode "Zwei Stühle zur Erinnerung" handelt es sich um eine Übung zum Einstieg ins Thema (nationalsozialistischer) Antisemitismus. Die Übung dient dazu, einen ersten Eindruck zu gewinnen, wie in Familie und Gesellschaft Erinnerungen an die NS-Zeit weitergegeben werden. Die Jugendlichen sprechen in wechselnden Paaren für einige Minuten über Fragen zum Thema. Um ein Gespräch zu beenden, über das Erfahrene für sich selbst nachzudenken und zur nächsten Frage überzuleiten, wird Musik (und nicht Tanz!) eingesetzt.
Die Unterrichts- und SeminarteilnehmerInnen vor Verletzungen zu schützen, ist eines unserer wichtigsten Anliegen und sollte die Grundlage jeglicher pädagogischer Arbeit sein. Bei der Entwicklung und Erprobung unserer Methoden haben wir laufend reflektiert, wo Verletzungs- risiken bestehen, und uns erst nach sorgfältiger Abwägung zur Veröffentlichung entschlossen.
Bei der Methode "Zwei Stühle zur Erinnerung" bleiben die kurzen Gespräche erfahrungsgemäß noch sehr oberflächlich. Wir haben bisher bei ihrem Einsatz nicht erlebt, dass die Teilneh- menden emotional stark aufgeladene Geschichten erzählen. Jugendliche (auch aus Familien von NS-Verfolgten) sind unseren Erfahrungen nach durchaus in der Lage, bewusst oder intuitiv zu entscheiden, ob und was sie wem und wann über sich und ihre Familie erzählen.
Wir trauen den PädagogInnen zu, entscheiden zu können, mit welcher Gruppe sie unsere Methoden einsetzen und ob sie dadurch hervorgerufene Emotionen auffangen können. Ebenso gehen wir davon aus, dass die LehrerInnen und PädadogInnen, die mit unseren Methoden arbeiten, über ein fundiertes Wissen zu Antisemitismus verfügen, die Methoden sorgfältig auswählen, sich gründlich auf die Durchführung vorbereiten und die Übungen verant- wortungsbewusst anleiten.
Unsere Methoden wurden über mehrere Jahre hinweg in einem interdisziplinären Team entwickelt, das über langjährige Erfahrungen in der politischen Bildung verfügt und sich lange mit dem Thema Antisemitismus beschäftigt hat. Wir haben die Methoden in einer großen Zahl an Seminaren mit ganz unterschiedlichen Gruppen von Jugendlichen und Erwachsenen erprobt, sie in der Fachöffentlichkeit zur Diskussion gestellt und anhand der so gewonnenen Erkenntnisse weiterentwickelt. Nach wie vor sind wir davon überzeugt, dass unsere Publikation einen wichtigen und wertvollen Beitrag für die politische Bildung gegen Antisemitismus leistet.
Die HerausgeberInnen und AutorInnen
Berlin, 18.01.2008
» Die Stellungnahme als PDF (63 KB)
