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Was tun ?! (Kalonymos 4/07)

Antisemitismus erledigt sich mit humanistischer Bildung und kompetentem Geschichtsunterricht keineswegs von selbst. Auch die AutorInnen von Was kann man dagegen tun? meinen, dass "Methoden aus der antirassistischen Bildungsarbeit und Konzepte der Demokratie-, Menschenrechts- und Toleranzerziehung nicht ausreichen, dem Antisemitismus zu begegnen." Gebraucht werden dagegen eigene Lehr- und Lernkonzepte, und die will das Projekt Bildungs-Bausteine gegen Antisemitismus mit dieser ganz praktisch angelegten Methoden- und Materialsammlung liefern. Das Lehrbuch richtet sich mit seinem transparenten pädagogischen Konzept und seiner programmatisch reflektierten Einleitung an den Bildungsbereich, an Lehrer- und ErzieherInnen.

Die bekommen ein durch zahlreiche Workshops und Seminare praxiserprobtes Werkzeug an die Hand, das sich durch einen übersichtlichen Apparat und große Themenvielfalt auszeichnet: Vorurteile und Stereotype, christlicher Antijudaismus, Nationalsozialismus, Antisemitismus (der Moderne / nach 1945 / im Zusammenhang des Nahost-Konflikts). Und stets aktuell: Matthäus-Passion, Aprilboykott, die Reden von Hohmann und Walser, die Schändung des jüdischen Friedhofs Meilenberg.

So finden wir klar strukturierte Unterrichtseinheiten (= "Methoden") mit jeweils konkreten Hinweisen zur Zielgruppe ("geeignet für ..."), zu den Lernzielen, zur praktischen Durchführung, zur sinnvollen Gruppengröße. Das benötigte Unterrichtsmaterial liegt gleich bei, und hier ist insbesondere die CD ein Gewinn. Bei der Methode Bildanalyse antisemitischer Darstellungen etwa stellt sie Arbeitsblätter, Bildpostkarten und Karikaturen sowie Hintergrundtexte im gängigen PDF-Format leicht zugänglich bereit. Und zur Methode Nahost-Quiz, die das Verstehen des Nahost-Konflikts befördern will, bringt die CD zahlreiche Abbildungen, "Ereigniskarten" und etliche Texte mit Hintergrundinformationen. Alle der mehr als 50 "Methoden" können auf eine vergleichbare Materialfülle zurückgreifen. Nicht tabuisieren, sondern thematisieren, so kann man es auf den Punkt bringen, denn auch der persönliche Zugang hat ausdrücklich Platz, die eigene Meinung und vorgefasste Urteile der Schüler sollen nicht im Vorgriff abgeblockt, sondern offen aus- und angesprochen werden. Dabei erlauben die inhaltliche Vielfalt, die ausdrückliche Vernetzung der Methoden untereinander ("Möglichkeiten der Weiterarbeit ...") und auch die Hinweise auf Medien wie Filme einen flexiblen Einsatz hinsichtlich Unterrichtskontext und Zielgruppe, bei der zudem nicht nur an Jugendliche, sondern auch an Multiplikatoren gedacht ist. Diese Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus inbesondere auch in Form von Rollenspielen, Diskussionen, "Empathieübungen" oder Exkursionen legt ihren Schwerpunkt beim woher kommt nicht auf Wissensvermittlung mittels historischer Analyse. Es geht vor allem auch um dagegen tun, um Sensibilisierung, Entwicklung und Stärkung von Kompetenzen, Kritikfähigkeit ? und das überzeugt. Wer das Thema Antisemitismus im Unterricht aufgreift, wird auf diese profunde Handreichung nicht verzichten wollen. hl

Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V. / Tacheles reden! e.V. (Hg.): Woher kommt der Judenhass? Was kann man dagegen tun? Ein Bildungsprogramm. Materialien, Methoden und Konzepte. Mülheim: Verlag an de Ruhr 2007. ISBN 978-3-8346-0158-2. 156 Seiten. 24,50 Euro


Quelle: Kalonymos. Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte aus dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut, 4/2007, S. 10-11

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